
Wiesbaden (Q.met) - Binnen weniger Stunden hat sich der Toccoa River an der Grenze zwischen Georgia und Tennessee in einen reißenden Strom verwandelt. In der Nacht zum Donnerstag stieg der Fluss um rund fünf Meter und übertraf den Rekord von 1990. In den Kleinstädten McCaysville und Copperhill standen Häuser bis zu zwei Meter unter Wasser, Rettungsteams holten weit über hundert Menschen aus den Fluten.
Fast 300 Liter in weniger als sechs Stunden
Am Südende eines großen Sturmsystems, das quer über die USA zog, bildeten sich am Mittwochnachmittag Gewitter, die sich über den Bergen Nordgeorgias festsetzten. Nach Angaben der Tennessee Valley Authority (TVA) fielen zwischen Blue Ridge und Ellijay bis Donnerstagfrüh 8 bis 10 Zoll Regen, also rund 200 bis 250 Liter pro Quadratmeter. Der höchste amtlich gemessene Wert lag bei 11,19 Zoll (gut 280 Liter) in weniger als sechs Stunden. Am Pegel Copperhill stieg der Fluss von 0,84 Meter am Mittwochabend auf 18,05 Fuß (5,50 Meter) am Donnerstag um 6 Uhr Ortszeit. Damit liegt er knapp über dem bisherigen Rekord von 17,75 Fuß aus dem Februar 1990.
Notstand, Ausgangssperre und kein Trinkwasser
Der Nationale Wetterdienst rief für Fannin County in Georgia und Polk County in Tennessee den höchsten Sturzflut-Alarm aus, die Flash Flood Emergency. Georgias Gouverneur Brian Kemp verhängte für vier Countys den Notstand. Nach Behördenangaben wurden in Fannin County mehr als 80 Menschen gerettet, in Polk County mindestens 68, auch mit Hubschraubern und Unterstützung von Army Rangers. Tote gab es nach bisherigem Stand nicht. In McCaysville fiel das Wasserwerk komplett aus, es gilt ein Abkochgebot und eine nächtliche Ausgangssperre. Für die Region ist es bereits die zweite Flut in diesem Jahr: Erst im August stand die Stadt unter Wasser.
Und bei uns? Erst Nebel, dann Regen
Solche Wassermassen sind in Deutschland vorerst nicht in Sicht. Hoch Klaus bringt uns bis Sonntag noch Nebel, Hochnebel und nachts leichten Frost, in Bayern auch örtlich Glätte. Ab Montag ziehen von Südwesten Regenwolken auf, danach wird es unbeständig und milder. In den Staulagen des Schwarzwalds sind bis Mittwoch 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter möglich, die Mengen sind aber noch unsicher. Für die ausgetrockneten Böden im Süden und Osten wäre das willkommen, das Defizit gleicht es aber nicht aus.