Wiesbaden (Q.met) - Die Ostsee hat den Hitzesommer 2026 gespeichert: Ende Juni schoss ihre Oberflächentemperatur binnen einer Woche um 3,4 Grad nach oben, und noch immer liegt das Wasser über dem Normalwert. Für Spätschwimmer klingt das verlockend. Doch mit der Wärme wächst ein Risiko, das das Robert Koch-Institut in diesem Jahr so früh wie selten registriert hat.
Ein Sprung von 3,4 Grad in einer Woche
Zwischen dem 21. und 28. Juni kletterte die mittlere Oberflächentemperatur der Nordsee nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie von 15,7 auf 17,6 Grad, die der Ostsee sogar von 15,9 auf 19,3 Grad. Der Trend läuft seit Jahrzehnten in dieselbe Richtung: Die Nordsee hat sich seit 1969 um rund 1,3 Grad erwärmt, die Ostsee seit 1990 um etwa 2,1 Grad. Der Deutsche Wetterdienst meldete Ende August weiterhin deutlich positive Abweichungen in Nord- und Ostsee, an der deutschen Nordseeküste lagen die Werte um 20 Grad.
Vibrionen: früher Start, zwei Todesfälle
Vibrionen kommen natürlicherweise in Salz- und Brackwasser vor und vermehren sich stark, sobald die Oberflächentemperatur über 20 Grad steigt. Das Robert Koch-Institut hat für 2026 bislang 17 in Deutschland erworbene Infektionen erfasst, zwei davon endeten tödlich. Auffällig ist der frühe Saisonstart: Bis zum 12. Juli waren bereits 14 Fälle gemeldet, in den Vorjahren zum gleichen Zeitpunkt nur vier, neun und einer. Betroffen waren zehn Männer und sieben Frauen im Alter von 3 bis 95 Jahren. Gefährdet sind vor allem Menschen mit offenen Wunden, hohem Alter oder Vorerkrankungen.
Was das für Herbst und Badegäste heißt
Ab Donnerstag ziehen im Norden Regenfronten durch, an den Küsten frischt der Wind mit stürmischen Böen auf, die Luft kühlt auf 20 bis 24 Grad ab. Das Wasser folgt nur träge: An der Ostsee liegen die Werte derzeit um 18 bis 20 Grad, in flachen Buchten und Bodden örtlich darüber. Für Badegäste bleibt es also angenehm, für gefährdete Gruppen bleibt das Risiko bis zur Herbstabkühlung bestehen. Der Deutsche Wetterdienst weist zudem darauf hin, dass die Meere praktisch als Akku wirken und die gespeicherte Wärme später Energie für kräftigere Herbststürme und ergiebigen Regen liefert.