Wiesbaden (Q.met) - Der Altweibersommer 2026 sprengt seinen eigenen Rahmen: Statt angenehmer 20 Grad steht am Oberrhein heute eine Drei vorne. Bis zu 32 Grad sind möglich – genug, um den deutschlandweiten Rekord für das letzte September-Drittel zu kippen. Woher der seltsame Name kommt und wie lange die Wärme trägt.
Hochdruckbrücke bis nach Russland
Eine Hochdruckbrücke spannt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Russland und lenkt subtropische Luft aus Südwesteuropa zu uns. Heute erreichen wir 22 bis 26 Grad, im Westen und Südwesten 27 bis 30 Grad, am Oberrhein örtlich 32 Grad. Der Norden bleibt unter dichteren Wolken mit 18 bis 21 Grad und stellenweise etwas Regen spürbar kühler. Der Deutsche Wetterdienst hält Dekadenrekorde an einzelnen Stationen für wahrscheinlich: Der deutschlandweite Höchstwert für das letzte September-Drittel liegt bei 32,2 Grad, gemessen am 21. September 2018 im sächsischen Klipphausen-Garsebach.
Warum die alten Weiber spinnen
Mit dem Alter hat der Name nichts zu tun. Im Althochdeutschen bedeutete „weiben" so viel wie weben, gemeint sind die Spinnfäden, die jetzt in Hecken und Stoppelfeldern hängen. Junge Baldachinspinnen lassen sich an selbst gesponnenen Fäden vom Wind forttragen, Fachleute nennen das Ballooning. Am Abend, wenn die Thermik nachlässt, sinken die Tiere zu Boden und hinterlassen die silbrigen Fäden, die im Morgentau besonders auffallen. Dafür braucht es genau das, was wir gerade haben: schwachen Wind, trockene Luft und viel Sonne.
Ein Regelfall, der aus dem Rahmen fällt
Meteorologisch ist der Altweibersommer eine Singularität, also ein Witterungsregelfall. Der DWD legt vier Kriterien an: Zeitraum Mitte September bis 10. Oktober, mindestens drei Tage Dauer, Höchstwerte mindestens vier Grad über dem langjährigen Mittel und zwei Drittel der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer. Für die letzte Septemberwoche liegt die Eintrittswahrscheinlichkeit bei rund 80 Prozent. Diesmal wird die Vier-Grad-Marke weit übertroffen – mit einem Haken: Bis Mittwoch bleibt es trocken, erst Donnerstag und Freitag ziehen von Westen längere Regenfälle auf. Für die ausgedörrten Böden kommt das reichlich spät.