Wiesbaden (Q.met) - Der Hitzesommer 2026 hat eine Spur hinterlassen, die man nicht sieht: Fast 1.600 Menschen haben sich in Europa in diesem Jahr im eigenen Land mit dem West-Nil-Virus angesteckt, so viele wie seit 2018 nicht mehr. Auch aus Deutschland sind Fälle gemeldet. Und weil es bis zur Wochenmitte noch einmal sommerlich warm wird, ist die Mückensaison längst nicht vorbei.
Fast 1.600 Fälle in Europa
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zählte mit Stand 23. September rund 1.600 im eigenen Land erworbene Infektionen – deutlich mehr als in den gesamten Jahren 2025 mit 1.112 und 2024 mit 1.436 Fällen. Am stärksten betroffen ist Italien mit etwa 696 Erkrankungen, gefolgt von Griechenland mit 355, Spanien mit 125 und Frankreich mit 102. Bis Anfang September wurden 61 Todesfälle gemeldet, 49 davon allein in Italien und Griechenland. Der Höchstwert stammt weiterhin aus dem Jahr 2018 mit 2.083 Fällen.
Auch in Deutschland Infektionen
In der ECDC-Aufstellung stehen für Deutschland vier Erkrankungen: aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, aus Leipzig und zweimal aus Berlin. Das Robert Koch-Institut kommt auf mindestens 26 einheimische Infektionen, weil es auch symptomlose Nachweise bei Blutspenden mitzählt, vier Verläufe waren schwer. Als etabliertes Verbreitungsgebiet gelten Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, 2025 kam erstmals Bayern dazu. Das RKI rechnet in diesem und in den nächsten Jahren mit einer Ausweitung der betroffenen Gebiete. Beschwerden bekommt nur etwa jeder Fünfte, schwere Verläufe treffen rund einen von hundert Infizierten.
Warum die Wärme den Takt vorgibt
Übertragen wird das Virus von heimischen Stechmücken der Gattung Culex, die es zwischen Wildvögeln weitergeben und dabei auch Menschen stechen. Entscheidend ist die Temperatur: Nach einer Auswertung in PLOS Neglected Tropical Diseases ist eine Etablierung etwa zwischen 14 und 34 Grad möglich, am schnellsten vermehrt sich das Virus in der Mücke nahe 24 Grad. Genau dieses Fenster hielt der Hitzesommer wochenlang offen. Und es bleibt offen: Bis Mittwoch erwarten wir 22 bis 29 Grad, am Oberrhein um 30 Grad, am Donnerstag ziehen im Westen Schauer und Gewitter durch, danach 17 bis 22 Grad bei frischem Ostwind. Frost ist nicht in Sicht.