Wiesbaden (Q.met) - Am Rhein ist eine Marke gefallen, die es in 146 Jahren Messgeschichte noch nie gab: Am Pegel Kaub stand das Wasser am 1. Oktober bei minus sechs Zentimetern. Die Schifffahrt kommt am wichtigsten Engpass des Flusses nur noch mit stark verringerter Ladung durch, die Transportkosten schnellen in die Höhe. Und der Regen zur Wochenmitte? Der reicht nicht.
Minus sechs Zentimeter am Pegel Kaub
Der Pegel Kaub im Mittelrheintal ist der Flaschenhals der gesamten Rheinschifffahrt. Am 1. Oktober fiel er auf minus sechs Zentimeter und damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Der bisherige Rekord stammte vom 22. Oktober 2018 mit 25 Zentimetern. Ein negativer Pegel heißt nicht, dass der Fluss leer ist: Der Nullpunkt ist nur ein Bezugswert, in der Fahrrinne standen zuletzt noch rund 1,20 Meter. Garantierte 1,90 Meter Fahrrinnentiefe gibt es erst ab 77 Zentimetern am Pegel. Am Sonntagmorgen zeigte Kaub 6 Zentimeter, Köln 50 und Düsseldorf glatte 0 Zentimeter.
Container-Zuschlag von 1.350 Euro
Die Folgen treffen die Industrie mit voller Wucht. Die Reederei MSC rief Höhere Gewalt aus und verlangt für einen 20-Fuß-Container, der Kaub passieren muss, einen Zuschlag von 1.350 Euro. Anfang September waren es noch 400 bis 480 Euro, bis Köln werden 895 Euro fällig. Mineralölfrachten von Rotterdam nach Basel kletterten nach Marktberichten auf rund 215 Euro je Tonne. Rund die Hälfte der Rohstoffe für das BASF-Werk in Ludwigshafen kommt per Binnenschiff. Die Volkswirte der ING veranschlagen den Dämpfer für das deutsche Wirtschaftswachstum auf 0,3 Prozentpunkte.
Unsere Vorhersage: Regen, aber keine Wende
Montag und Dienstag bleibt es nach Nebelauflösung vielerorts freundlich bei 17 bis 24 Grad, nur an den Alpen und im Norden fallen einzelne Schauer. Am Mittwochnachmittag zieht von Westen Regen auf, der bis Donnerstag ostwärts vorankommt, mit einzelnen Gewittern und örtlich kräftigem Starkregen in der Mitte. An der Nordsee frischt der Wind auf Stärke 8 auf, am Freitag an exponierten Küsten auf 9. Für die Pegel bringt das allenfalls einen kurzen Ausschlag nach oben. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnet nur mit vorübergehenden, leichten Anstiegen. Richtig auffüllen lässt sich der Rhein erst im Winterhalbjahr.